Neue Funk- und Computertechnik steigern der Einsatzwert...
Sie führen weder Wasser noch Schläuche oder hydraulische Rettungsgeräte mit sich. Stattdessen sind sie nahezu bis unter das Dach mit moderner Technik ausgestattet: von umfangreicher fest verbauter Computer- und Funktechnik über eine eigene Telefon- und Internetanbindung bis hin zu vielseitiger mobiler Führungsunterstützung wie Tablets, diverse Handfunkgeräte sowie eine umfassende Büroausstattung. Die Rede ist von sogenannten Einsatzleitwagen – kurz ELW.
Für Feuerwehren stellen diese Fahrzeuge die mobilen Einsatzzentralen auf vier Rädern dar. Mit ihrer Besatzung sind sie im Einsatzfall zentrale Ansprechpartner für alle beteiligten Kräfte und Organisationen und bilden die Schnittstelle zwischen Einsatzleitung und Leitstelle. Darüber hinaus übernehmen sie die Dokumentation von Kommunikation und Maßnahmen und unterstützen den Einsatzleiter oder die Einsatzleiterin durch organisatorische Tätigkeiten im Hintergrund. Einfach gesagt: Ohne einen ELW ist die Bewältigung komplexer Einsatzlagen heute kaum noch möglich.
Die Feuerwehr Ochtrup verfügt seit knapp einem Jahr am Standort Ochtrup über zwei Einsatzleitwagen des Typs ELW 1. Zuvor war jeweils ein ELW am Feuerwehrgerätehaus Ochtrup sowie am Feuerwehrgerätehaus Langenhorst stationiert. Im Zuge der Neuanschaffung des am Standort Ochtrup stationierten Einsatzleitwagens im Jahr 2020 wurde eine sogenannte ELW-Gruppe gebildet. Hintergrund hierfür war die zunehmende Notwendigkeit zur Spezialisierung im Bereich der Einsatzleitung und Führungsunterstützung.
Da sich am Standort Ochtrup im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik (IuK) im Laufe der Zeit sowohl technisch als auch personell ein klarer Schwerpunkt entwickelt hat, wurde im vergangenen Jahr eine Standortverlagerung beschlossen: Der bislang in Langenhorst stationierte ELW wurde im Tausch gegen ein Mannschaftstransportfahrzeug (MTF) nach Ochtrup verlegt.
Anders als Löschfahrzeuge oder andere Großfahrzeuge der Feuerwehr unterliegen Einsatzleitwagen aufgrund der schnellen Entwicklung in der Kommunikations- und Informationstechnik deutlich kürzeren Modernisierungszyklen. Bereits nach etwa 10 bis 15 Jahren ist eine umfassende Erneuerung von Funktechnik, Telefonanlagen und IT-Systemen erforderlich, um den aktuellen technischen Standards gerecht zu werden. Das Fahrgestell selbst bleibt dabei in der Regel unberührt und kann – vergleichbar mit anderen Einsatzfahrzeugen – oftmals über 20 Jahre im Dienst bleiben.
Eine solche technische Modernisierung wurde nun auch beim ehemaligen Einsatzleitwagen des Standorts Langenhorst durchgeführt. Nach umfangreicher Überarbeitung versieht das Fahrzeug nun modernisiert seinen Dienst innerhalb der Fuhrparkflotte der Ochtruper Stadtlöschzüge.
Der im Jahr 2013 beschaffte Einsatzleitwagen, ausgebaut durch die Firma Martin Schäfer GmbH auf einem Mercedes-Sprinter-Fahrgestell, entsprach bis vor kurzem nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik. Analoge Funktechnik, eine defekte Telefonanlage, veraltete Computertechnik sowie ein inzwischen entbehrliches Drucker-/Faxgerät prägten zuletzt die Ausstattung des Fahrzeugs.
Ende 2025 begann die Firma Selectric aus Münster mit den umfassenden Umbaumaßnahmen. Dabei wurde die Verkabelung für die Funk- und IT-Infrastruktur nahezu vollständig erneuert. Zudem erfolgte der Einbau des Kommunikationssteuerungssystems „IDECS“ sowie eines modernen Computersystems mit schwenkbarem 27-Zoll-Monitor und neuem Drucker.
Darüber hinaus erhielt der ELW eine bislang nicht vorhandene Standklimaanlage, zusätzliche tragbare digitale Funkgeräte – darunter ein Gerät in einer Ladehalterung mit Antennenanschluss für den Gruppenführer – sowie einen HDMI-Anschluss, über den das Computerbild auf externe Endgeräte außerhalb des Fahrzeugs übertragen werden kann.


















Als besonders benutzerfreundlich erweist sich die nahezu identische Konfiguration der eingesetzten Kommunikations- und Softwaresysteme. So entspricht beispielsweise die Benutzeroberfläche des Kommunikationssystems „IDECS“ exakt derjenigen in der stationären Einsatzzentrale im Gerätehaus Ochtrup sowie im weiteren Einsatzleitwagen. Auch bei den verwendeten Softwarelösungen, wie etwa Fireboard oder aMobilePro, bestehen keine Unterschiede. Dies ermöglicht es den im Bereich Informations- und Kommunikationstechnik (IuK) ausgebildeten Einsatzkräften, flexibel und standortunabhängig eingesetzt zu werden.
Durch eine von der IT-Abteilung des Kreises Steinfurt eingerichtete VPN-Verbindung zur Zusammenarbeit der Feuerwehren im Kreisgebiet ist es zudem möglich, dass die Besatzungen der Einsatzzentrale sowie beider Einsatzleitwagen in Echtzeit digital im Bereich der verwendeten Einsatzführungs-Software zusammenarbeiten – unabhängig von ihrem jeweiligen Standort. Insbesondere bei Großschadenslagen oder flächendeckenden Einsatzlagen stellt dies einen erheblichen Vorteil für die Einsatzführung und Kommunikation dar.
Nachdem der ELW 1-2 Mitte März nach Abschluss der Umbaumaßnahmen an die Feuerwehr Ochtrup zurückgegeben wurde, wird er nun vielseitig eingesetzt: als Unterstützungsfahrzeug für den ELW 1-1 bei größeren Einsatzlagen, zur Führung von Bereitstellungsräumen oder Haltepunkten, als Führungsfahrzeug bei überörtlichen Einsätzen sowie im Rahmen der Drohnen-Gruppe und des dezentralen Messtrupps. Darüber hinaus steht das Fahrzeug als Redundanz bei Ausfällen oder Werkstattaufenthalten des ELW 1-1 zur Verfügung und kann in ausgewählten Fällen auch als Transportfahrzeug für unterschiedliche Zwecke genutzt werden.