"Blackout - Wie sicher ist unser Stromnetz?"...
Die Feuerwehr Ochtrup aber auch die Ochtruper Bevölkerung sind richtige Experten was das Thema „Stromausfall“ und „Blackout-Szenarien“ angeht – gezwungenermaßen, muss man dazu sagen. Im Winter 2005 war Ochtrup die am stärksten vom Schneechaos betroffene Stadt im Münsterland. Auf einen damals sehr milden Winteranfang folgte ein abrupt einsetzender, lang anhaltender Schneefall mit Schneehöhen von rund 50 Zentimetern und eisigen Winden um den Gefrierpunkt. Schnell bildeten sich zentimeterdicke Eismäntel um die Versorgungsleitungen der Strommasten. Innerhalb weniger Stunden baute sich so eine enorme Last auf, die von den veralteten Hochspannungsmasten nicht mehr getragen werden konnte. Über 80 von ihnen knickten wie Streichhölzer ein und lösten die größte Energiekrise in der Geschichte der Bundesrepublik aus.
Gut 25 Jahre später rief ein weiterer großflächiger Stromausfall die Ochtruper Einsatzkräfte erneut auf den Plan – diesmal allerdings nicht in ihrer Heimatstadt, sondern in der Bundeshauptstadt Berlin. Am 3. Januar 2026 kam es im Südwesten der Hauptstadt zu einem weitreichenden Stromausfall, von dem zunächst rund 45.400 Haushalte sowie etwa 2.200 Gewerbebetriebe betroffen waren. In den Stadtteilen Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde fiel die Stromversorgung großflächig aus. Ursache war ein Brand an einer Kabelbrücke über dem Teltowkanal, bei dem mehrere Hochspannungskabel beschädigt wurden.
Nach Angaben der Ermittlungsbehörden wurde das Feuer durch eine linksextremistische Gruppierung verursacht. Da die betroffenen Leitungen das Kraftwerk Lichterfelde mit dem Stromnetz verbinden, kam es zu erheblichen Versorgungsunterbrechungen. Neben der Stromversorgung war auch die Fernwärme betroffen, da zahlreiche Pumpenanlagen ohne elektrische Energie nicht betrieben werden konnten. Die Instandsetzung der beschädigten Leitungen erwies sich als technisch äußerst anspruchsvoll und war zudem stark von den Witterungsbedingungen abhängig. Erst am 8. Januar 2026 konnte die Stromversorgung vollständig wiederhergestellt werden.
Zur Unterstützung der Berliner Feuerwehr entsandte das nordrhein-westfälische Innenministerium insgesamt zehn „Energie-Module NRW“. Auch das bei der Feuerwehr Ochtrup stationierte Modul machte sich mit mehreren Einsatzkräften auf den Weg in die Bundeshauptstadt.
Am 21. Juli strahlte das Erste Deutsche Fernsehen im Rahmen der Sendereihe „ARD Story“ die Dokumentation „Blackout – Wie sicher ist unser Stromnetz?“ aus. Im Zuge der Dreharbeiten und Recherchen besuchte das Produktionsteam auch die Feuerwehr Ochtrup. Vor Ort entstanden unter anderem Interviews mit einem örtlichen Landwirt sowie dem ehemaligen Leiter der Feuerwehr Münster, die über die Auswirkungen des Schneechaos von 2005 berichteten. Darüber hinaus gab Michael Reinker, Leiter der Abteilung „Energie Modul NRW“ am Standort Ochtrup, Einblicke in den Notstrom-Einsatz in Berlin zu Beginn des Jahres. Außerdem berichtete er über eine kürzlich in der Töpferstadt durchgeführte Übung der Notstrom-Gruppe gemeinsam mit Einsatzkräften der Feuerwehren Rhede und Recklinghausen.
Anhand zahlreicher Interviewpartner – darunter Experten, Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes sowie Betroffene – zeichnet die Dokumentation ein facettenreiches Bild vergangener Ereignisse und wirft zugleich einen Blick auf zukünftige Herausforderungen. Sie verdeutlicht eindrucksvoll, wie abhängig unsere moderne Gesellschaft von einer zuverlässigen Stromversorgung ist und wie komplex die Infrastruktur hinter unserem Energiesystem weit über die Grenzen Deutschlands hinaus aufgebaut ist.


















Programmbeschreibung:
Erst wenn der Strom fehlt, merken wir, wie abhängig wir von ihm sind. Doch: Wie sicher ist unser Stromnetz?
Erst wenn der Strom fehlt, merken wir, wie abhängig wir von ihm sind: Das Licht erlischt, Fahrstühle bleiben stecken, Ampelausfall führt zum Verkehrschaos, schon nach wenigen Stunden funktioniert kein Handy mehr – die Kommunikation bricht zusammen. Es gibt kein Geld mehr am Automaten, auch Kartenzahlung funktioniert nicht und an der Tankstelle kann kein Sprit mehr gezapft werden. Spätestens wenn die Kühlketten und die Wasserversorgung zusammenbrechen, merken wir: Ohne Strom funktioniert nichts in diesem Land.
Das gilt auch für ländliche Regionen: Kein Landwirt kann hunderte Kühe von Hand melken, Hühner ersticken an den Ausdünstungen ihres eigenen Kots, wenn die Lüftungen in den Ställen ausfallen. Industriell betriebene Landwirtschaft ist unmöglich ohne Strom. Doch: Wie sicher ist unser Stromnetz?
Im Krieg gegen die Ukraine ist die elektrische Versorgung ein Hauptziel russischer Angriffe. Auch wir in Deutschland müssen uns mehr Gedanken machen: Wie gut sind wir vorbereitet – in Zeiten hybrider Kriegsbedrohung, beständig ansteigender Cyber-Angriffe, vermehrter Drohnensichtungen über Anlagen der kritischen Infrastruktur?
Bei einer Großübung, bei der ein deutschlandweiter Stromausfall simuliert wird, sind wir unterwegs mit Helfern von Feuerwehr, Polizei und Militär. Schnell zeigt sich: Hier läuft längst nicht alles rund im Krisenfall – und vielen fehlen Antworten auf sehr einfache Fragen. Und weil die Stromtrassen Europas zusammenhängen: Kann ein solcher Ausfall das gesamte europäische Netz aus dem Takt bringen?
Die ARD Story lässt Menschen aus Stromwirtschaft, Katastrophenschutz, Militär und Politik auf die Problematik blicken, Betroffene zu Wort kommen, die bei den langanhaltenden Stromausfällen etwa im Münsterland 2005 oder jüngst in Berlin mit dabei waren. Sie schaut auf die Gesetzeslage und das neue „Kritis-Dachgesetz“, das so genannte „kritische Infrastruktur“ besser schützen soll. Sie zeigt aber auch: Wir alle haben uns in vielen Jahren des Friedens daran gewöhnt, dass immer alles funktioniert. Oder – wie es ein Helfer formuliert: „Es schadet nicht, Kerzen für den Frieden anzuzünden. Aber sie sind auch nützlich bei Stromausfall. Das haben wir nur vergessen.“ – Film von Marko Rösseler