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Grenzen erfahren und erleben – Blaulichttraining in Grevenbroich

Fahrsicherheitstraining auf dem Gelände des ADAC Fahrsicherheitszentrums...

Wenn der digitale Meldeempfänger Alarm schlägt, dann beginnt für die freiwilligen Wehrleute in der Töpferstadt ein Wettlauf gegen die Zeit. Anders als Kräfte der Berufsfeuerwehr, welche rund um die Uhr an den entsprechenden Feuerwachen ihren Dienst versehen, müssen die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr zunächst zu den jeweiligen Gerätehäusern eilen, um von dort aus in den Einsatz zu starten. Am Spritzenhaus angekommen muss es auch dort schnell gehen, denn auch für die Freiwilligen Feuerwehr gilt es, eine im Brandschutzbedarfsplan festgelegte Hilfsfrist von 8 bzw. 13 Minuten weitestgehend einzuhalten. Dies bedeutet besonders für die Fahrzeugführer der großen Einsatzfahrzeuge jede Menge Stress. Sie müssen unter Verwendung von Blaulicht und Martinshorn das Fahrzeug und dessen Besatzung schnell und vor allem sicher zur Einsatzstelle befördern und zu jederzeit mit unüberlegten und paradoxen Reaktionen anderer Verkehrsteilnehmer rechnen. Es verwundert daher nicht allzu sehr, dass man in den Zeitungen und sozialen Medien immer mal wieder von verunfallten Einsatzfahrzeugen und verletzten Einsatzkräften liest. Da besonders im ehrenamtlichen Bereich das Führen von solchen Großfahrzeugen nicht zur täglichen Praxis gehört, ist die Unfallgefahr hier nochmal um ein Vielfaches erhöht.

Um das Risiko für derartige Unfallsituationen auch in Zukunft möglichst gering zu halten, setzt die Feuerwehr Ochtrup fortan auf eine besondere Schulung ihrer – im Feuerwehrjargon als sogenannte „Maschinisten“ bezeichneten – Fahrzeugführer. Im Rahmen eines eintägigen Fahrsicherheitstrainings, welches speziell auf das Führen von Einsatzfahrzeugen ausgerichtet ist, soll den Maschinisten ein stückweit mehr Sicherheit und Vertrauen vermittelt werden. Am vergangenen Samstag nahmen daher erstmals 12 Kameraden aller drei Ochtruper Standorte an einem sogenannten „Blaulichttraining“ auf dem Gelände des ADAC Fahrsicherheitszentrums in Grevenbroich teil.

Die Stimmung an diesem frühen Samstagmorgen war trotz der geringen Temperaturen und der noch ca. 160 km langen anstehenden Fahrstrecke bei den Ochtruper Blauröcken durchweg positiv. Nachdem in diesem Jahr coronabedingt neben den regulären Übungsdiensten auch nahezu alle Lehrgangs- und Kameradschaftsveranstaltungen zum Schutz und zur Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft ausfallen mussten, war die Freude über das Stattfinden des Fahrsicherheitstrainings bei allen Beteiligten groß. Und so ging es für die Töpferstädter an diesem Morgen gegen 6 Uhr mit insgesamt vier Großfahrzeugen und zwei Transportern, darunter je ein Fahrzeug mit einem Anhänger im Schlepptau, an der Landeshauptstadt Düsseldorf vorbei in Richtung Grevenbroich.

Das ADAC Fahrsicherheitszentrum Grevenbroich, welches 2005 eröffnet wurde, gehört zu einem der modernsten Standorte für die Fortbildung von Kraftfahrzeugführern in ganz NRW. Auf einer Fläche von 120.000 m² ist für nahezu jeden Fahrzeugtyp – vom Motorrad über Wohnmobile bis hin zum LKW – alles dabei, um die physikalischen Grenzen seines Fahrzeugs auf den Grund zu gehen. Neben einer groß angelegten Kurvenstrecke und einer steilen Bergauf-/abpassage warten auf die Teilnehmer diverse Fahrbahnabschnitte mit Wasserhindernissen und Hydraulikplatten, wo so manch einer während des Bremsvorgangs ganz schön ins Schwitzen kommt.

Gegen 8 Uhr startete der Trainingstag für die Töpferstädter mit einer kleinen Begrüßung und einem anschließendem Frühstück. Nach einer kurzen Einweisung auf das Übungsgelände ging es dann auch sofort mit dem ersten Übungsabschnitt – Slalom-Parcours ­- an diesem Tag los. Nach einer kurzen Besprechung, wo unter anderem nochmals auf die richtige Einstellung von Fahrersitz und Fahrzeugspiegel eingegangen wurde, wechselten die Teilnehmer auf einen ganz besonderen Fahrbahnabschnitt. In Sekundenschnelle setzte Bernd – so der Name des Trainers – die knapp 120 Meter lange Fahrbahn „unter Wasser“. Ziel dieser Übung war es, dass Bremsverhalten auf trockener, nasser und rutschiger Fahrbahn kennenzulernen und die richtigen Taktiken des Bremsvorganges den Teilnehmern zu vermitteln. Auch das Ausweichen von plötzlich auftretenden Hindernissen bei derartigen Streckenverhältnissen machte den Jungs schnell deutlich welche Kräfte es während eines solchen Fahrmanövers zu beherrschen gilt.  

Aber damit nicht genug. Nach einer kurzen Verschnaufpause wurde in einem sogenannten „Stressparcours“ die Multitasking-Fähigkeit der Teilnehmer auf die Probe gestellt. In möglichst kurzer Zeit musste eine vorgegeben Strecke abgefahren werden, wobei es währenddessen immer kleine Zusatzaufgaben – wie beispielsweise die Bedienung der Sondersignalanlage – zu erledigen gab. Eine nicht so einfache Aufgabe, welche den Puls mancher Kameraden auch leicht anstiegen lies. Als etwas weniger anstrengend, dafür aber umso nervenaufreibender stellte sich das Bergabfahrtraining mit Kurvenfahrten auf regennasser Fahrbahn heraus. Mit immer größer werdender Geschwindigkeit brachten die Teilnehmer die Einsatzfahrzeuge an ihre Grenzen der Schwerkraft und lernten hierbei Kurvenfahrten bereits im Vorfeld besser einschätzen zu können. Gleiches wurde auf ebener Fläche nochmals auf der Kreisbahn geübt, wo das ein oder andere Fahrzeug nicht immer so wollte, wie sein Fahrzeugführer.

Nach einem aufregenden und erlebnisreichen Tag endete das Fahrsicherheitstraining für die 12 Töpferstädter am späten Nachmittag mit einem letzten Abschlussgespräch, ehe es dann wieder in Richtung Münsterland ging.

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